Die Philosophie Vor einigen Jahren gab es in Braunschweig eine Ausstellung mit dem sehr passenden Titel: "Restaurieren heißt nicht wieder Neu machen". Passender kann man es kaum ausdrücken, was eine gute Restaurierung ausmacht. Sich zurückhalten, wo es angebracht ist, eingreifen, wo es Sinn macht. Prof. Winfried Heiber , Dresden, sagte bei dem Seminar, an dem ich in den späten 90ern teilnahm, in Hinblick auf Klebstoffe so treffend: "Sicherheit geht vor Ästhetik". Manchmal muß auch eine Restauratorin die schwere Entscheidung treffen, den synthetischen Klebstoff zu wählen, wo ihr doch der feine, aber vielleicht in diesem Fall auf Dauer zu schwache natürliche Leim viel lieber wäre. In jeden Fall steht die Konservierung immer vor der Restaurierung. Die Erhaltung der puren Substanz. Der Unterschied zwischen beidem ist schnell erklärt: Eine Konservierung sichert den augenblicklichen Zustand des Objektes. Einzige Zutat ist ein Klebstoff, der eventuell lose, oder vor dem Verlust stehende Bereiche sichert. Und die trockene Entfernung von Schmutz, fast Berührungsfrei, nur sanftes Abstauben mit einem weichen Marderhaarpinsel - wenn überhaupt. Denn Staub kann Luftfeuchtigkeit binden und das bekommt keinem Kunstwerk gut. Eine Restaurierung hingegen beinhaltet Eingriffe. Reinigung, Firnisreduzierung im Extremfall eine Firnisabnahme, wenn dieser seine Aufgabe, der Schutz der Malschicht nicht mehr erfüllt. Verschließen von Fehlstellen, Retuschen. Es ist mein Wunsch zu vermitteln, zwischen dem verständlichen Wunsch, Ihr Kunstwerk wieder "im alten Glanz" erleben zu können, und zugleich zu sensibilisieren, das auch ein Kunstwerk das Recht hat, auf seine Altersspuren. Oder, um es im schönsten Restauratoren Deutsch zu sagen: den gewachsenen Zustand zu respektieren.  Kunstwerke sind einmalig. Unabhängig, wer sie geschaffen hat.  Der Begriff "Respekt" ist häufig zu hören, in diesem Zusammenhang. Ich bevorzuge jedoch "Achtung". Auf etwas Acht geben, ihm Empathie entgegen bringen, denn ein Kunstwerk ist kein totes Objekt, was eine rein technische Herangehensweise verlangt. Jedes Kunstwerk hat eben seine eigene Aussage und Geschichte. Mögen sich die Materialien doch scheinbar immer wieder gleichen, so hat doch jedes Kunstwerk die unterschiedlichsten Einflüsse erfahren, die seinen Erhaltungszustand beeinflusst haben. Datenschutzerklärung